Ditzingen 2019

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Logo 1250 Jahre Ditzingen

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Die Geschichte Ditzingens + Hirschlandens

Im Jahr 769 schenkte der fränkische Grundherr Lantbolt dem erst fünf Jahre zuvor gegründeten Kloster Lorsch an der Bergstraße einen Teil seines Besitzes im Glemsgau, nämlich 12 Hofreiten und Ackerlose sowie acht Leibeigene in den Dörfern Hirslande und Tizingen. Auch wenn archäologische Befunde eine viel längere Siedlungsgeschichte bezeugen, treten beide Dörfer mit der am 2. Oktober des Jahres ausgestellten Urkunde ins Licht der Geschichte ein. Weitere Stiftungen in den Jahren 772 bis 790 rundeten den Lorscher Besitz ab. Überliefert sind sie im Lorscher Codex (Codex Laureshamensis), der heute im Staatsarchiv Würzburg verwahrt wird. Das Kopialbuch, entstanden zwischen 1170 und 1195, enthält Abschriften von mehr als 3800 Urkunden zur Dokumentation der Rechte und Besitztümer der Reichsabtei Lorsch.

Ditzingen ist eine alemannische Gründung, die seit der fränkischen Landnahme im Grenzraum des fränkischen und alemannischen Siedlungsgebiets lag. Seit dem 12. und 13. Jahrhundert bildete die Glems die Grenze zwischen dem fränkischen und alemannischen Landesteil sowie kirchlich zwischen den Diözesen Speyer und Konstanz. Noch heute erinnern die beiden spätgotischen Kirchenbauten an die Trennung der beiden Ortsteile, die erst mit der Einführung der Reformation hinfällig wurde.

Im 14. Jahrhundert fiel Ditzingen unter die Herrschaft der Württemberger (Amt/Oberamt Leonberg), die hier vermutlich schon mit dem Kauf des Glemsgaus 1308 erste Rechte erworben hatten. Der Ortsadel (Herren von Ditzingen) ist von der Mitte des 13. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts belegt. Das Ditzinger Schloss kam später in den Besitz der Herren von Gültlingen und der Herren von Münchingen.

Wirtschaftlich profitierte Ditzingen später von seiner Lage an der Poststraße Leonberg – Stuttgart, von 1868 an auch von der Eröffnung der Schwarzwaldbahn, die eine zunächst verhaltene Industrialisierung einleitete. Der Bau der Autobahn A81, der die Ansiedlung größerer Gewerbe- und Industriebetriebe nach sich zog, beschleunigte diesen Veränderungsprozess. 1966 wurde Ditzingen zur Stadt erhoben. Seit 1976 ist es Große Kreisstadt.

Hirschlanden entstand wohl zwischen 720 und 750, also nur wenige Jahre vor der urkundlichen Ersterwähnung, als fränkische Ausbausiedlung. 786 war wohl das ganze Dorf Besitz der Reichsabtei Lorsch. Im gleichen Jahr ist die Schenkung der Kirche zu Hirschlanden an das Kloster belegt. Während der übrige Lorscher Besitz 902 durch Tausch in weltliche Hände überging, gelangte die Kirche in den Besitz des Klosters Hirsau. Die Verwaltung und der Einzug der Abgaben übernahm die Hirsauer Pflege in Ditzingen, die im 17. und 18. Jahrhundert auch unter der Bezeichnung „Pflege Hirschlanden“ geführt wurde.

Ab 1308 erlangten auch hier die Grafen von Württemberg Einfluss. 1316 war die Hälfte von Hirsch-landen im Besitz der Württemberger. Sie konkurrierten jedoch zunächst noch mit den Herren von Höfingen, Heimerdingen und Nippenburg, die dort ebenfalls Besitzrechte besaßen. Erst 1603 war das ganze Dorf württembergisch.

Dank des fruchtbaren Strohgäubodens bestimmte in Hirschlanden die Landwirtschaft bis ins 20. Jahrhundert das Erwerbsleben. Zwar pendelten schon im 19. Jahrhundert erste Industriearbeiter in die umliegenden Industriezentren, aber erst mit dem Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, der zu einem starken Anwachsen der Einwohnerzahl führte, und der Aussiedlung der landwirtschaftlichen Betriebe im Zuge der Flurbereinigung, veränderte sich der Charakter Hirschlandens hin zur Wohn- und Pendlergemeinde. 1949 und 1955 wurden im Gewann „Knäpple“ und im Gewann „Unten im Dorf“ die ersten Baulandumlegungen eingeleitet. In der Amtszeit von Bürgermeister Alfred Fögen von 1961 bis 1975 wurde der Dorfumbau nachhaltig vorangetrieben: Noch 1961 entstand der erste Flächennutzungsplan. In der ersten Hälfte der 1970er Jahre wurden die Hochhäuser im Gewann „Leiter“ errichtet, die bis heute die Silhouette der Gemeinde prägen. Industrieflächen wurden an der Straße nach Ditzingen und im Gewann „Hinteres Feld“ ausgewiesen.

Im Zuge der Gebietsreform wurden 1971 die Nachbargemeinden Heimerdingen und Schöckingen nach Ditzingen eingemeindet. Hirschlanden beharrte länger auf seiner Eigenständigkeit: Am 1. Januar 1975 wurden die Stadt Ditzingen und die Gemeinde Hirschlanden zur neuen Stadt Ditzingen vereinigt und teilen fortan ihre Geschichte, die vor 1250 Jahren mit der gemeinsamen Erwähnung im Lorscher Codex begann.